Von der Internetdatenbahn landeten wir am Rande Stadt Hannover. Wir hatten Hunger und suchten etwas zu essen. Um was zu essen zu finden, erkundeten wir die Umgebung. Es war heiß, und wir schleppten uns mühsam weiter. Plötzlich fanden wir ein goldenes Buch, welches uns entgegen glänzte. Es lag geöffnet am Boden. Unsere Neugier packte uns, und wir hoben es auf. Dabei wurden wir in den Bann des geheimnisvollen Buches gezogen. Für ein paar Sekunden lang war es dunkel um uns, dann flogen wir mit hoher Geschwindigkeit durch einen bunten Tunnel, der sich drehte. Nach kurzer Zeit landeten wir in einem Schrank. Wir hörten eine männliche Stimme und versuchten, den Schrank zu öffnen. Doch er war verschlossen. Wir konzentrierten uns auf die Stimme und probierten, sie zu identifizieren. Es war eine raue Stimme, die viele Zahlen vor sich hin sagte. Es schien, dass die Person gerade nachdachte. Plötzlich wurde aus dem leisen Hinsummen ein lautes Selbstgespräch: "Ich, Gottfried Wilhelm Leibniz, geboren 1646 in Leipzig , habe heute, im Jahre 1700, schon wieder eine geniale Idee für die Mathematik. Ich werde für das bisherige Multiplikationszeichen x einen ganz gewöhnlichen Punkt einführen, damit es nicht mit der Variablen x verwechselt wird. Und das Divisionszeichen : werde ich ebenfalls in Deutschland einführen."

Plötzlich fielen wir aus dem Schrank. "Na, wer seid ihr denn? Woher kommt ihr?" fragte Leibniz erstaunt. Wir erzählten ihm die ganze Geschichte. Doch er wollte es uns nicht glauben und fing an zu schimpfen: "Heuchler!!! Verschwindet aus meinem Haus! Was wollt ihr von mir?" Wir beruhigten ihn und wollten mehr von seinen Erfindungen wissen. "Oh, ihr interessiert euch für meine mathematischen Erfindungen? Also, da kann ich euch eine Menge erzählen. Ich denke gerade über eine Vereinfachung der Schreibweise bei Multiplikation nach." - "Was möchten Sie denn vereinfachen?" fragten wir interessiert. "Ich möchte den Multiplikationspunkt zwischen Buchstaben und in Kombinationen von Zahlen und Buchstaben weglassen." erklärte er. "Haben Sie denn auch etwas Richtiges erfunden, außer dass Sie manche Schreibweisen vereinfacht haben?" fragten wir neugierig. "Aber selbstverständlich!" erzählte er. "Ich habe so viele Einfälle, die vielleicht später von Nutzen sein werden, wenn sich eines Tages gründlichere Leute als ich eingehender mit ihnen beschäftigen und ihre schönen Gedanken mit meinen Mühen vereinen.

Ich habe z. B. das Zweiersystem erfunden." - "Das Dualsystem? Das haben wir schon in der fünften Klasse gelernt. Aber bitte erklären Sie es und noch einmal" baten wir. - "Ich habe vor einigen Jahren eine Idee gehabt, die ich veröffentlicht habe. Das Zweiersystem enthält nur zwei Ziffern, die Ziffern O und I,  ganz im Gegensatz zu dem normalen Zehnersystem, welches ihr wahrscheinlich benutzt." Dann erklärte er es uns an einem Beispiel:

"Die Zahl 5 wird im Zweiersystem mit I O I geschrieben. Ihr fragt euch natürlich, warum. Ganz einfach. Um die Zahl 5 ins Zweiersystem zu übertragen,  muss man sich an den Stufenzahlen des  Zweiersystems orientieren. Stufenzahlen sind die Potenzen zur
Basis 2:

20 = 1,  21 = 2,  22 = 4,  23 = 8,  24 = 16,  25 = 32, usw.

Mit diesen Potenzen kann man nun jede Zahl des Zehnersystems ins Zweiersystem übertragen. Hier zwei Beispiele:

5 = 14 + 02 + 11 = I O I 

7 = 1 4 + 12 + 11 = I I I.  

Ihr seht, die Zahl 7 des Zehnersystems schreibt sich im Zweiersystem als I I I : drei göttliche Einsen ohne eine teuflische Null! So erkennt man die Vollkommenheit des siebten Tages der Welterschaffung. Dieser Tag gilt als heilig, und außerdem erkennt man in der Schreibweise I I I einen Bezug zur Dreifaltigkeit." 
Die Zusammenhänge zwischen der Mathematik und dem christlichen Glauben beeindruckten uns sehr.

Und dann konnten wir Herrn Leibniz erklären, welche Bedeutung das Zweiersystem heute für die Menschheit hat: "Zahlen zur Basis 2 kann man in elektronischen Schaltungen einfach speichern und verarbeiten. Die Spannung in einer Leitung kann entweder anliegen und stellt dann I dar, oder sie kann nicht anliegen, was O repräsentiert. Benutzt man nicht nur eine Leitung, sondern 8, 16, 32 oder 64 Leitungen parallel, so können damit in einem Computer die kompliziertesten Berechnungen innerhalb kürzester Zeiten erfolgen, denn jede dieser parallelen Leitungen steht für eine Stufenzahl im Zweiersystem. D. h. die Übertragung des Zweiersystems auf die Spannungszustände in digitalen Schaltungen ermöglicht den Bau von Computern in unserer heutigen Zeit."

"Ach übrigens, wussten Sie, dass nach Ihnen Kekse benannt worden sind? Herrmann Bahlsen, ein Inhaber einer Firma für Plätzchen, kam zu Beginn des 20.Jahrhunderts auf die Idee, diese Kekse nach einem berühmten Einwohner Hannovers zu benennen. Und  weil Sie ein genialer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Techniker sind, hat er die Kekse nach Ihnen benannt. Sie heißen Leibniz Kekse." - "Oh, das heißt also, dass ich berühmt werde. Ich fühle mich geehrt." - "Wir haben sogar welche dabei. Wollen Sie sie mal probieren?" Nach dem er probiert hatte, kam er mit einem posierenden Kommentar: "Das passt aber zu mir, denn es ist genauso fein und edel wie ich."

"Es war ein sehr interessantes Gespräch mit Ihnen. Ihre Vorschläge sind sehr sinnvoll. Und wie sich gezeigt hat, haben sich ihre Erfindungen erfolgreich durchgesetzt. Nun müssen wir leider wieder zurück zu unserer Klasse." Wir verabschiedeten uns sehr herzlich und gingen zurück in den Schrank, wo wir das Buch wiederfanden und wieder davon aufgesaugt wurden. Nachdem wir durch den Tunnel flogen, kamen wir wieder zurück auf die Internetdatenbahn.

 

Sassan & Lucas

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